Roland Waedt
Sichtbarkeit ohne Rechtfertigung
Rechtfertigung ist eine alte Reflexbewegung
Viele Menschen sind sichtbar. Und gleichzeitig in Rechtfertigung. Man ist da. Aber man entschärft sich. Man erklärt. Man relativiert. Als würde Präsenz erst erlaubt, wenn sie begründet ist. Rechtfertigung ist oft eine alte Reflexbewegung. Gelernt, weil Sichtbarkeit einmal teuer war.
Warum Sichtbarkeit so schnell bewertet wird
Sichtbarkeit zieht Blick an. Und Blick zieht Urteil an. Nicht immer bewusst. Aber oft sofort. Das macht viele vorsichtig. Man versucht, die Deutung zu steuern. Man liefert Kontext, bevor jemand fragt. Doch wer ständig Deutung steuert, lebt selten frei. Er lebt in Vorwegnahme.
Sichtbar sein heißt nicht: laut sein
Sichtbarkeit wird häufig mit Lautstärke verwechselt. Dabei kann etwas sehr sichtbar sein und gleichzeitig ruhig. Sichtbarkeit heißt: Kontur. Präsenz. Ein klares Dasein. Nicht Performance. Nicht Show. Nicht Auftritt.
Der Preis der ständigen Erklärung
Sich ständig zu erklären kostet Energie. Man denkt voraus. Man scannt den Raum. Man hält sich im Griff. Das wirkt kontrolliert. Es ist aber oft Anspannung. Je mehr man sich erklärt, desto mehr bestätigt man innerlich: Ohne Erklärung darf ich nicht einfach sein.
Was passiert, wenn man aufhört zu erklären
Wenn man aufhört zu erklären, fühlt sich das zuerst ungewohnt an. Wie Risiko. Wie Kante. Wie „zu viel“. Doch häufig ist es nur ein neues Gleichgewicht. Man steht anders. Man spricht weniger entschuldigend. Man lässt Sätze stehen. Nicht aus Härte. Aus Klarheit.
Kleidung als Übungsfeld
Kleidung ist ein Übungsfeld für Sichtbarkeit. Weil sie direkt wirkt. Weil sie ohne Worte kommuniziert. Man kann wählen: Tarnung. Oder Präsenz. Nicht als Dogma. Als Frage. Was trägt mich heute? Was versteckt mich nur?
INDAVID und Präsenz ohne Druck
INDAVID steht für bewusste Sichtbarkeit. Ohne Lautstärke. Ohne Esoterik. Ohne Rechtfertigung. Farbe ist dabei keine Dekoration. Sie ist Orientierung. Kleidung wird zur Begleitung: Sie hilft, da zu sein, ohne sich zu erklären.
Rechtfertigungsfrei heißt: bei sich
Sichtbarkeit ohne Rechtfertigung bedeutet nicht, dass niemand reagiert. Es bedeutet, dass die Reaktion nicht mehr dein Zentrum ist. Du bleibst bei dir. Ruhig. Klar. Nicht, weil du unberührbar bist. Sondern weil du dich nicht mehr dauernd korrigierst. Und genau dort beginnt Freiheit.